Di
31
Jan
2012
Ich biete Karriereberatung an. Zu mir kommen Menschen, bei denen es beruflich irgendwo hakt. Oft schon im Bewerbungsprozess um einen neuen Job. So kommt z.B. Andreas B. zu mir, der in Vorstellungsgesprächen immer wieder die gleichen Fragen zu hören bekommt: „Was haben Sie in der Lücke zwischen Schule und Studium gemacht?“ Das waren 2 Monate. Und: „Ihre Tätigkeit bei Firma XY haben Sie im November beendet. Bei YZ haben Sie erst Mitte Februar angefangen – was war dazwischen?“
Die Lückensuche im Lebenslauf ist für Personaler der erste Schritt, sich einen Überblick zu verschaffen. Berechtigt. Immerhin gilt es zu erfahren, was der Kandidat schon alles gemacht hat und ob er für ein längerfristiges Arbeitsverhältnis geeignet scheint.
OK, aber wo kommt der Druck her, nach einer 13-jährigen Schulzeit, an die ein mehrjähriges Studium anschließt, krampfhaft 2 Monate „Lebenslaufoptimierung“ betreiben zu müssen? Bei aufeinander folgenden Jobs nicht bewusst eine kleine Pause einplanen zu dürfen, um Zeit für alles zu haben, was neben anstrengenden Arbeitstagen keinen Platz mehr findet?
Während es in anderen Ländern geschätzt wird, dass sich Berufstätige auch einmal Zeit für etwas anderes nehmen, wenn sie „in-between-jobs“ sind, gilt es bei uns als Makel. Ich frage mich aber, ob nicht alle davon profitieren, wenn ein Kandidat sich nach der Schule zwei Monate zum Reisen, Lesen, Sport treiben genommen hat. Die Akkus sind voll, die Motivation für den Job hoch.
Doch der Druck, den Lebenslauf immer schön „sauber“ bzw. ohne die geringste Lücke zu halten, scheint immens. Dabei würde mir vieles einfallen, wofür es sich lohnen würde, ein paar Wochen Auszeit zu nehmen – wenn sie sich sowieso gerade problemlos anbietet.
Ihnen auch? Wofür haben Sie solche Übergänge bereits genutzt? Was würden Sie tun, wenn beim nächsten Jobwechsel spontan 4 Wochen freie Zeit dazwischen liegen? Schreiben Sie mir, ich freue mich über viele Erfahrungsberichte und Ideen.